Wildnisgebiet

Der Begriff „Wildnisgebiet“ (Wilderness Area) stammt aus den USA, wo man bereits Mitte des 19. Jahrhunderts den Wert großer, weitgehend unberührter Gebiete erkannt und unter Schutz gestellt hat, damit der Mensch Wildnis erleben kann: Yosemite 1864 und Yellowstone 1974.

Wenn wir den Begriff „Wildnis“ bei uns verwenden, hat er für die Menschen vielfach ganz unterschiedliche Bedeutung. Für manche ist „Wildnis“ schon der ungemähte Rasen mit wuchernden Sträuchern in Nachbars Garten, der wegen seiner scheinbaren „Vernachlässigung“ bereits Unbehagen auslöst. Für andere ist Wildnis die unberührte, teilweise romantisierte Weite ferner Kontinente.

Im Gegensatz zu Nordamerika oder Sibirien, wo große Wildnisgebiete erhalten geblieben sind, ist Mitteleuropa eine seit Jahrtausenden veränderte Kulturlandschaft. Die ausschließliche Anwendung des Aspektes „großräumiges Gebiet“ birgt nach Auffassung vieler Wissenschaftler die Gefahr, dass kleinere Waldgebiete in siedlungsnahen Räumen ausgegrenzt werden. Im klein gekammerten Europa hängt das Entstehen von Wildnis nicht von der Großräumigkeit eines Gebietes ab.

Gerade in der Nähe bevölkerungsreicher Regionen sei die Einrichtung auch kleinerer Wildnisgebiete äußerst sinnvoll, um sie als Kontrast zu zivilisatorischer Ordnung und Prägung erlebbar zu machen. Dieser Auffassung neigen das europäische Parlament in einem im Februar 2009 verabschiedeten Bericht und in die Prager Konferenz der EU im Mai 2009 zu, wenn sie Wildnis in Europa in Anlehnung an IUCN-Kriterien (IUCN = International Union for Conservation of Nature and Natural Resources; auch Weltnaturschutzunion) auch definieren als “Kleinere, fragmentierte Landschaften, deren ökologische Rahmenbedingungen (noch) geeignet sind oder soweit wiederhergestellt werden können, dass natürliche oder naturnahe Entwicklungsprozesse weiterhin oder zukünftig ablaufen können und in denen keine ständigen Siedlungen sowie sonstige Infrastrukturen mit gravierendem Einfluss existieren“.

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