Bewirtschaftung des Waldes

Mitteilung des Regionalforstamtes Rhein-Sieg-Erft

Im Jahr 2010 wurde im Siebengebirge auf den Flächen des VVS das erste Wildnisgebiet in NRW ausgewiesen. Auf einer Fläche von ca. 524 Hektar – diese umfasst den Kernbereich zwischen Petersberg, Ölberg und Löwenburg – soll sich der Wald in Richtung der von Natur aus vorhandenen Laubwälder ohne forstliche Bewirtschaftung entwickeln. Um diese Entwicklung naturschutzfachlich zu steuern, muss der Anteil der Nadelbäume im Bereich des Wildnisgebietes deutlich vermindert werden.
In dem Wildnisgebiet befinden sich heute noch ca. 63 Hektar Nadelbaumbestände und Nadel-Laubbaum-Mischbestände. Dabei handelt es sich überwiegend um Fichtenwälder und Mischbestände aus Buchen und Lärchen. Nadelbäume gehören von Natur aus nicht zu den Wäldern im Siebengebirge. Sie wurden erst im Zuge der forstlichen Bewirtschaftung angepflanzt. Die Nadelbäume sollen deshalb entsprechend der naturschutzfachlichen Zielsetzung im Wildnisgebiet sukzessive in den nächsten 15 Jahren entnommen werden, um so langfristig wieder die natürlichen Waldbestockung zu fördern. Dieses aktive Steuern der natürlichen Entwicklung ist erforderlich, weil sich sonst die Samen der Nadelbäume im Wildnisbebiet weiter verbreiten und sich daraus eine neue Generation von Nadelbäumen bilden wird. Dies ist aber naturschutzfachlich im Wildnisgebiet nicht gewollt.

In einem Vertrag zwischen dem VVS und dem Landesbetrieb Wald und Holz NRW – vor Ort vertreten durch das Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft – mit einer Laufzeit von 30 Jahren wurde unter Beteiligung und Zustimmung der Naturschutzbehörde geregelt, dass der Bestockungsumbau innerhalb der nächsten 15 Jahre umgesetzt werden soll. Die als Anlage beigefügte Karte zeigt das Wildnisgebiet und die darin enthaltenen Nadelholzwälder.

Die Flächen, auf denen die Nadelbäume entnommen werden, sollen sich in der Regel von Natur aus wieder selbst bewalden. Von den benachbarten Laubwaldbeständen werden Bucheckern und Eicheln und sonstiger Baumsamen wie z. B. Birken auf die Freifläche gelangen, aus denen sich dann gemäß der Zielsetzung Wildnis neuer naturnaher Wald entwickeln wird. Die natürliche Wiederbewaldung ist ein kann in der Folge als Wildnisprozess beobachtet werden. Nur auf den Einzelflächen, die größer als 1 ha sind, sind nach dem Einschlag Initialpflanzungen mit Laubbäumen geplant, um die natürliche Wiederbewaldung zu unterstützen.

Warum Wildnis?

Von Natur aus wäre Deutschland nahezu vollständig bewaldet. Auf mehr als 2/3 der Fläche würden Buchenwälder wachsen. Durch die Rodungsperioden im Mittelalter gibt es in Deutschland heute nur noch auf ca. 30 % der Gesamtfläche Wälder, davon sind rund 15 % Buchenwälder. Die Buchenwaldfläche nimmt seit zwei Jahrzehnten zu Lasten der Nadelbäume zu. Diese Buchenwäldern werden zu 95 % naturnah forstlich bewirtschaftet, nur ca. 50.000 Hektar, das sind nur ca. 0,2 % der Gesamtfläche Deutschlands werden nicht bewirtschaftet.

Aus naturschutzfachlicher Sicht wird angestrebt, den Anteil der unbewirtschafteten Wälder in Deutschland zu erhöhen. Dazu sollen Wildnisgebiete insbesondere in Bereichen mit hohem Buchenwaldvorkommen, wie dem Siebengebirge, ausgewiesen werden.

Die Baumart Buche kommt weltweit nur in Westeuropa vor. Daher kommt insbesondere Deutschland eine große Verantwortung für den Erhalt der Buchenwälder zu. Durch die naturnahe Forstwirtschaft wird dieser Anteil grundsätzlich gesichert und auch sukzessive erhöht. Im Rahmen der forstlichen Bewirtschaftung werden die vor dem Ende ihres natürlichen Absterbens genutzt, um den Rohstoff Holz zu produzieren. In Wildnisgebieten soll diese Nutzung unterbleiben. Die alten Bäume sollen natürlich absterben. Dies fördert die Artenvielfalt im Wald zusätzlich, denn in absterbenden Altbäume bauen die Spechte ihre Höhlen und finden viele Insekten und holzzersetzende Insekten und Pilze einen geeigneten Lebensraum.

Durch die Durchforstungsmaßnahmen tritt mehr Licht an den Boden, das Bodenleben, die Kraut- und Strauchschicht, aber auch zwischenständige Bäume erhalten eine Chance sich weiterzuentwickeln. Auch die natürliche Verjüngung der Bäume wird durch diese Lichtsteuerung begünstigt und angemessen berücksichtigt. Dies fördert die Struktur und Vielfalt im Waldökosystem. Auf Horst- oder Höhlenbäume wird bei derartigen Maßnahmen besondere Rücksicht genommen.

Zur Pflege und Entwicklung des Waldes setzt die naturnah arbeitende Forstwirtschaft in bestimmten Altersphasen des Waldes von fest definierten und dauerhaft markierten Rückewegen (Maschinenwegen) Forstmaschinen ein, um das Befahren der Fläche so gering wie möglich zu halten. Damit wird ein vollflächiges Befahren von Waldflächen vermieden und der Bestand sowie der Waldboden nicht geschädigt.

Auch für das Herausziehen der Stämme aus den Waldbeständen an die Wege ist moderne Technik erforderlich. Der früher oft praktizierte Einsatz von Pferden ist nur bei dünneren, leichteren Stämmen möglich. Schwere Stämme mit einem Gewicht von mehreren Tonnen wurden zwar früher auch mit Pferden irgendwie aus dem Wald gezogen, doch oftmals in Verbindung mit erheblichen Qualen für die völlig überforderten Tiere. Durch die moderne Technik ist heute eine schonendere und rationellere Holzrückung möglich. Menschen und Tieren wird durch diese technische Unterstützung die Arbeit erleichtert und deren Gesundheit geschont.
Auch wenn forstwirtschaftliche Maßnahmen den Wald kurzfristig als Baustelle erscheinen lassen, ist die Wirkung dieser Pflegeeingriffe auf den Wald in aller Regel äußerst positiv.

Der nachwachsende Rohstoff Holz wird von uns allen in Form von Papier, Möbeln, Hausdächern etc. benötigt. Jeder Bundesbürger verbraucht ca. 1,5 m³/Jahr. Wenn dieser benötigte Rohstoff Holz nicht nachhaltig in den heimischen Wäldern produziert wird, dann wird er auf den Weltmärkten eingekauft und zum Teil aus Ländern importiert, in denen eine nachhaltige Waldnutzung nicht garantiert werden kann.

Die Bewirtschaftung des Waldes ist auch hinsichtlich des Klimawandels von Bedeutung. Die Bäume entnehmen bei ihrem Wachstum der Umgebungsluft CO2 und wandeln dieses klimaschädliche Gas im Zuge der Photosynthese in Holz um. Jährlich wachsen in unseren Wäldern Millionen von Festmetern Holz zu (ein Kubikmeter Holz speichert ca. eine Tonne CO2). Ein positiver Effekt lässt sich über eine Kaskadennutzung erzielen. Vom Rohprodukt Holz über eine Verarbeitung zu Bauholz, einem Recycling dieses Bauholzes zu Spanplatten bis hin zu einer energetischen Nutzung können mehrere Jahrzehnte vergehen. Je langlebiger Produkte aus Holz oder Zellstoff sind (z.B. Bauholz, Möbeln oder Papier), desto länger wird der Kohlenstoff der Atmosphäre entzogen. Hinzu kommen Substitutionseffekte, da alternativ zu Beton, Stahl oder fossiler Energieträger der nachwachsende Rohstoff Holz verwendet wird. Das von den Bäumen aufgenommene und im Holz gespeicherte CO2 wird der Atmosphäre und damit dem Kohlenstoffkreislauf über einen längeren Zeitraum entzogen und im Nutzholz fixiert.

Forstdirektor Stephan Schütte
Fachgebietsleiter Staatswald
Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft

Zeitraum Umfang
2010 – 2014 24,4 ha
2014 – 2017 25,2 ha
2017 – 2020 27,0 ha
2020 – 2026 18,0 ha
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