Unter Wildnis verstehen wir gemeinhin weite unberührte, unveränderte und ursprüngliche Landschaften ohne menschliche Einflüsse; Landschaften,die es in dieser Form in Deutschland nicht mehr gibt. Was aber in Deutschland vorhanden ist und sich auch im Siebengeibrge vermehrt entwickelt, sind Räume, in denen die „Natur Natur sein darf“, wo der Mensch nicht mehr regelnd eingreift und die Natur ihrer eigenen Dynamik überlassen bleibt. Solche Gebiete werden als Wildnisentwicklungsgebiete bezeichnet.

Bereits 1985 hat der VVS am Nonnenstromberg eine 15 ha große Naturwaldzelle mit heute 150 Jahre alten Buchen- und 135 Jahre alten Eichenbeständen der natürlichen Entwicklung ohne Bewirtschaftung überlassen. Anfallendes Holz darf nicht entnommen werden. 2010 hat der VVS als erster privater Waldbesitzer in Deutschland 523 ha seiner Waldfläche im Siebengebirge in das größte zusammenhängende Wildnisentwicklungsgebiet in NRW verwandelt. Hier soll sich die Natur ohne menschliches Eingreifen ungestört entwickeln.

In den Folgejahren nahmen der Landesbetrieb „Wald und Holz NRW“, die NRW-Stiftung und die Stadt Bad Honnef Teilflächen ihrer Wälder aus der Bewirtschaftung, sodass das gesamte „Wildnisgebiet Siebengebirge“ heute knapp 1000 ha umfasst.
Wildnis ist für uns eine große Herausforderung, müssen wir uns doch von den gewohnten Bildern einer gepflegten und genutzten Landschaft lösen und die alten Klischees einer vermeintlich unaufgeräumten, „verwilderten“ und scheints „wertlosen“ Landschaft hinter uns zu lassen.

Um eine Landschaft „wild“ scheinen und erst recht werden zu lassen, braucht es Jahrhunderte, umfasst doch der Lebenszyklus einer heimischen Buche bereits bis zu 400 Jahren.
Dennoch gibt es im Siebengebirge bereits an einigen Stellen, vor allem am Nonnenstromberg, deutliche Kennzeichen der Entwicklung, da die dortigen natürlichen Wälder inzwischen hohe Alt- und Totholzbestände aufweisen. Über Jahrhunderte wurde Totholz aus den Wäldern entfernt, entweder weil es als Brennholz gefragt oder unserem Ordnungssinn widersprach.
Dabei dient es einer großen Zahl von Tieren, vor allem auch vielen gefährdeten Käferarten, Insekten und Pilzen als Lebensraum. Ohne Totholz sind Fledermäuse, Käuze und Siebenschläfer oft wohnungslos.




