„Wege zur Wildnis“

Artikel der Bonner Rundschau

Königswinter
Am 05.06.2020 führte Herr Carsten Schultz von der Bonner Rundschau ein Interview mit dem Fachgebietsleiter des Regionalforstamtes Rhein-Sieg-Erft Thomas-Hans Deckert.  Es wird Im Naturschutzgebiet Siebengebirge ein Umweltbildungsprojekt mit dem Titel „Wege zur Wildnis“ verwirklicht. Insgesamt 55 rund ein Meter hohe naturbelassene Eichen- und Robinienpfähle sollen dabei als „Wildnisfenster“ dienen, wie es Thomas-Hans Deckert formuliert. Eine begleitende „Wildniswanderbroschüre“ wird nach Realisierung des Projektes Interessierten an den jeweiligen Stationen Hintergrundinformationen zu den im Siebengebirge ausgewiesenen Wildnisgebieten liefern. Die schlichten Holzpfähle seien bewusst minimalistisch gestaltet, so Deckert mit Blick auf den so nur kleinen Eingriff in das Naturschutzgebiet Siebengebirge.

„Wildniswälder sind naturnahe Wälder, in denen sich die natürliche Dynamik frei entfalten kann“, heißt es auf der Internetseite des NRW-Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz. „Forstliche Nutzungen sind dauerhaft eingestellt – zukünftig wird in diesen Wäldern kein Baum mehr entnommen. In Wildniswäldern leben alle Bäume bis zu ihrem natürlichen Ende.“ Im Siebengebirge hat der Verschönerungsverein für das Siebengebirge (VVS) schon im Jahr 2010 von den gut 850 Hektar Wald im Vereinsbesitz rund 520 Hektar als Wildnisgebiet ausgewiesen und die Bewirtschaftung damit eingestellt (siehe auch Infotext). Inzwischen sind im Siebengebirge rund 800 Hektar Wildnisgebiet, weil der Landesbetrieb Wald und Holz sowie die NRW-Stiftung einzelne Flächen ebenfalls als Wildnis ausgewiesen haben.

Ausschilderung mit grün-weißem Logo

Das Umweltbildungsprojekt „Wege zur Wildnis“, beschränkt sich nach Angaben von Thomas-Hans Deckert auf das Gebiet des Verschönerungsvereins, der eigentlich in diesem Jahr groß sein 150-jähriges Bestehen feiern und in diesem Rahmen auch den Wildnisweg einweihen wollte. Aus dem Jubiläumsprogramm ist wegen der Corona-Pandemie aber erstmal nichts geworden.

Die „Wege zur Wildnis“ sollen mit einem eigenen, grün-weißen Logo ausgeschildert werden, wie man es von der Ausweisung von Wanderwegen kennt. An dem Thema Wildnis Interessierte können sich laut Deckert beim VVS in dessen Forsthaus am Lohrberg nach Realisierung des Projektes für fünf Euro eine Begleitbroschüre besorgen und an den jeweiligen Stationen weitere Informationen nachschauen.
Eine digitale Variante mit QR-Codes und dem Abfragen über Handy-Apps sei mittelfristig auch geplant, so Deckert, mit 30.000 bis 50.000 Euro sei diese Lösung aber nicht gerade preiswert und einfach zu haben. Die Kosten für die analoge Lösung mit den Broschüren schätzt er auf rund 20.000 Euro.

Geplant seien fünf Wildnisrouten mit einer Gesamtlänge von rund 30 Kilometern. An den Stationen (Wildnisfenstern) soll man Informationen nachschlagen können beispielsweise zu Themen wie Hainsimsen-, Waldmeister- und Perlgrasbuchenwäldern (Petersberg, Oelberg, Breiberge), zur ökologischen Bedeutung von Steinbrüchen, offenen Felsbereichen oder Blockhalden (Stenzelberg, Drachenfels) oder zur Bedeutung von naturnahen Fließgewässern (Tretschbachtal, Annatal).
Thomas-Hans Deckert weist gegenüber der Rundschau darauf hin, dass nach dem Willen der NRW-Landesregierung Wildnisgebiete durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit und durch die Integration in die Bildung für nachhaltige Entwicklung erlebbar gemacht werden sollten. Deckert: Das Projekt im Siebengebirge „ist in diese Wildniskonzeption voll umfänglich eingebettet und macht das Wildnisgebiet Siebengebirge für den interessierten Besucher durch die Wildniswege und eine Begleitbroschüre erleb- und erfahrbar“.

Hintergründe
Der VVS hat im Jahr 2010 (nach den heftig umstrittenen Plänen für einen Nationalpark Siebengebirge , die der Verein damals unterstützt hatte, die aber an einem Bürgerentscheid in Bad Honnef gescheitert waren) mit Hilfe des Landes NRW auf 523 Hektar seines Waldes „das erste Wildnisgebiet außerhalb der Nationalpark in Deutschland“ errichtet“, wie es auf der VVS-Homepage heißt. Der VVS hatte schon 1987 am Nonnenstromberg eine „Naturwaldzelle“ ausgewiesen. „Da hat man einfach die Natur sich selbst entwickeln lassen, und dadurch ist eine erstaunliche Artenvielfalt entstanden“, sagte im April 2010 der damalige VVS-Vorsitzende Herbert Krämer, als der Verein und der Landesbetrieb Wald und Holz den Wildnisvertrag unterzeichneten. Das Landesamt für Natur und Umwelt schreibt auf seiner Homepage: „Auch die Menschen profitieren von Wildniswäldern in erreichbarer Nähe. Wildniswälder entwickeln einen besonders hohen Erlebniswert, wenn Wege an sie heranführen und Informationen ihren ästhetischen, ökologischen und historischen Wert vermitteln. Auf diese Weise wird Wildnis erlebbar.“ Und: „Wie schon ein einzelner Baum-Methusalem, so hinterlassen sehr alte Wälder einen tiefen Eindruck beim Betrachter.“ Ihr Erlebniswert sei groß und nachhaltig. (csc)

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